Facettenreichtum und feinstes Handwerk – Trends der Mailänder Möbelmesse 2018

Mehr als 300.000 Besucher und 2.000 Aussteller: Alljährlich trifft sich die Crème de la Crème der internationalen Einrichtungsbranche auf der „Salone Internationale del Mobile“ in Mailand. Von 17. bis 22. April 2018 war die 57. Auflage der Messe erneut Treffpunkt für Trendscouts, Designer und Unternehmer der internationalen Möbelszene. Wir haben die aktuellen Tendenzen und Trends unter die Lupe genommen.

Kontinuität im Stil – Innovation im Detail

Ein eindeutiger Megatrend lässt sich nicht benennen. Es gibt wirklich alles und jeder Trendtext in jede Richtung würde seine Bestätigung bei einem der 2.000 Aussteller finden. Auf höchstem Niveau wird in Mailand, vielmehr die Weiterentwicklung im Detail zelebriert. Mit Stil, feinstem Handwerk, noch mehr Facettenreichtum und Vielfalt, im Kontrast von noch mehr Hell und Dunkel.  Die Raumstimmung werde heuer von gedeckten Farben bestimmt, Hölzer kommen in Natur oder gebeizt zum Einsatz. Ein Changieren der Kontraste, eine Ausdehnung der Bronzetöne bis hin zum Kupferrot, ein Braun in eleganten Cognactönen. Weiterhin hoch im Kurs ist bei den Trendsettern der unverrückbare Anspruch nach Hochwertigkeit. Dies gilt im Hinblick auf die handwerkliche Qualität wie für die verwendeten Werkstoffe gleichermaßen: Stein und Marmor, Glas und Stahl – Mailand zeigt die selbstbewusste Verbindung edelster Materialien. Verstärkt sieht man Kupfer und Messing, verspielt in ihren Ausführungen und in der Verarbeitung matt, glänzend oder patiniert. Was sich von der letztjährigen Trendmesse ebenfalls gehalten hat, ist Grün. Frisches, junges Grün wie das von jungen Blättern, dunkles, sattes Grün wie das von Nadelhölzern. Durchgesetzt haben sich zart schimmernde Pastelltöne sowie Akzente in Blau, Rot und Rosa.

Identität und Haptik als Gegenpol zur virtuellen Welt

Die dominant-disruptive Technologie unserer Zeit – das Internet – dürfte der Auslöser für eine neue Bodenständigkeit sein. Die virtuelle Welt, in der wir viel Zeit verbringen, scheint ihren Gegenpol zu verlangen. Daher sei Haptik von besonderer Relevanz, denn viele Materialien zeigen durch Herkunft und Entstehung eine unverwechselbare Identität. Ein Selbstbewusstsein, das sich auf Grundsätze wie Tradition, Perfektion in der Handwerkskunst und Kunstfertigkeit in der Herstellung bezieht. Die Formensprache vieler großer Marken zeigt sich reduziert, knüpft stark an „die Moderne“ an, besticht jedoch mit Verarbeitungsraffinesse. Möbel und Einrichtungsgegenstände sind einerseits raumbeherrschend groß wie die Sofas von Minotti oder Flexform, andererseits gab es noch nie so viele kleine Möbel – sie versammeln sich wie eine Kinderschar um die großen, weichen Sofas.

In unterschiedlichen Höhen und Härtegraden erfüllen diese Ensembles  vor allem auch soziale Komponenten, so lädt das Sofa von Heute zur sozialen Interaktion –  zwingt gar zur Gruppierung. Eine Metapher für reales ‚social meeting‘ statt dem ständigen ‚social media‘. Die Formensprache der Entwürfe wird vielfach runder, öffnet sich in Richtung Bewohner. In diesem Kontext lassen sich auch wieder bootsförmig gebogene Tischplatten entdecken, in Halbkreisen oder zumindest abgerundeten Enden. Die kantige Tafel ist passé.

Wohnküchen mit höchster Detail- und Materialverliebtheit

Die im 2-Jahresrhythmus stattfindende Eurocucina bestätigte eine bereits beobachtete Tendenz: Die Küche wird offen in den Wohnraum geplant und damit noch wohnlicher. Aufgrund der offenen Raumstrukturen fließen Küche, Essbereich und Wohnzimmer nahtlos ineinander, werden einerseits noch stimmungsvoller inszeniert und lassen andererseits Einbaugeräte hinter Fronten aus Holz oder Stein verschwinden. Besonders deutlich wird diese Entwicklung beim Hersteller Poliform, der seine Küchenfirma Varenna auch gleich namentlich in sein Wohnprogramm geholt hat. Verstärkt nimmt man auch die Einflüsse aus Profiküchen wahr: Übergroße Kühlzonen und Weinschränke oder professionelle Herdsysteme halten in Privatküchen Einzug, die so immer stärker zum häuslichen Kommunikationszentrum aber auch zum Repräsentationsmittelpunkt avancieren.

Das Draußen schließt zum Wohnraum auf

Lounge-Möbel, geflochtene Korbsessel, bunte Kleinmöbel für den Balkon – im Trend sind Outdoor-Möbel, die Standard und Komfort des Indoor-Bereiches ins Freie transferieren. Auf der Salone zeigten darum viele Hersteller entsprechend hochwertige Möbel für den Garten, die Terrasse oder den kleinen Stadtbalkon. So waren selbstverständlich auch Kettal, Dedon und Roda mit neuen Trends in Mailand vertreten.  

Fazit: Vielfalt allerorts – Überblick durch kompetente Beratung

2.000 Aussteller ließen in Mailand einmal mehr  eine nahezu unendliche Vielfalt zwischen Design, Architektur, Mode und Handwerk entstehen. Eine Auswahl, die auch überfordern kann und stilsichere Planung durch erfahrene Einrichtungsexperten erfordert. Die schönsten Eigenheime repräsentieren die Individualität und die Persönlichkeit der Bewohner. Gerade angesichts der grenzenlosen Möglichkeiten wird Einrichten zum kreativen Prozess, der im engen Austausch mit erfahrenen Innenarchitekten am besten gelingen kann!“